4. – 15. Juni 2012: Learning Analytics

(Moderation des Themenblocks: Dr. Jochen Robes, www.weiterbildungsblog.de)

I. Überblick

Learning Analytics ist noch ein sehr junges Thema, das im Horizon Report 2011 noch als langfristiger Trend eingestuft wurde. Erste Konferenzen zum Thema, erste Projekte sowie eine Reihe von Publikationen in den letzten Monaten haben dazu geführt, dass es im Horizon Report 2012 bereits als mittelfristiger Trend (2-3 Jahre bis zur breiteren Verbreitung in der Praxis) vorgestellt wird.

Learning Analytics, so heißt es im Horizon Report 2012, “bezeichnet die Interpretation verschiedenster Daten, die von Studierenden produziert oder für sie erhoben werden, um Lernfortschritte zu messen, zukünftige Leistungen vorauszuberechnen und potenzielle Problembereiche aufzudecken”. Das Thema rückt auf die Agenda, weil heute fast alle Lernangebote und -prozesse, selbst Präsenzveranstaltungen, über das Netz organisiert werden. Studierende bearbeiten online Programme und Seiten, absolvieren Tests, schreiben in Chats, Foren und Wikis und tauschen sich auf Community-Plattformen untereinander und mit den Lehrenden aus. Lehrende können sich auf dieser Grundlage ein genaues Bild machen: über die Aktivitäten der Studierenden, ihre Lernfortschritte wie über die Qualität und Akzeptanz ihres Kursdesign und ihrer Lehrmaterialien.

Learning Analytics basiert auf Technologien, Tools und offenen Schnittstellen zwischen Systemen. Erste Tools auf diesem Feld stellen nicht nur weitere Daten (“big data”)  zur Verfügung, sondern bereiten diese zielgerichtet und visuell auf. Im Idealfall wird Learning Analytics so zum Ausgangspunkt, um Bildungsteilnehmern (nicht nur Studierenden!) individuell, unmittelbar und punktgenau Feedback und Support zu geben; und um Lernumgebungen, Lernszenarien und Lerninhalte immer wieder anzupassen und zu verbessern.

Learning Analytics provoziert zugleich bekannte Fragen: Wem gehören eigentlich die Daten? Was ist mit dem Datenschutz und dem Recht auf Privatsphäre? Was unterscheidet Learning Analytics von Bildungsreporting und -controlling? Wie können die Perspektiven einer Bildungsorganisation, des Lehrenden und des Lernenden aufeinander abgestimmt werden?

 

II. Lektüre

LAK2012


III. Online-Event

Dienstag, 5. Juni 2012, 14-15 Uhr
Referent: Martin Ebner (Technische Universität Graz, E-Learning Blog)
Zugang zum Online Event (Adobe Connect): http://connect8.iwm-kmrc.de/opco12/

IV. Weitere Aktivitäten:

  1. Welche Anforderungen müssen ein ideales Learning Analytics-Tools bzw. Szenario aus Ihrer Sicht erfüllen? Formulieren Sie Ansprüche und Bedingungen an ein Learning Analytics-System?
  2. Überlegen Sie sich, ob Sie nicht heute schon Ihr eigenes Lern- und Kommunikationsverhalten im Netz analysieren können? Wenn Sie z.B. einen Twitter-Account haben, schauen Sie nach entsprechenden Analyse-Tools und setzen diese ein.
    Welche Tools haben Sie gefunden? Haben Sie dabei nützliche Hinweise über Ihr Verhalten und ihre Routinen erhalten? Welche weiteren Informationen würden Sie sich wünschen?

14 Antworten auf 4. – 15. Juni 2012: Learning Analytics

  1. Pingback: Zusammenfassung des Themenschwerpunkts Game Based Learning | OpenCourse 2012

  2. Pingback: Start der vierten Kurseinheit des OPCO12 – Thema “Learning Analytics” | OpenCourse 2012

  3. Benedikt Sutter-Bonaparte sagt:

    Learning Analytics – doch nicht so neu?
    Wenn ich meine Schüler als Lerncoach bei ihren individuellen Lernprozessen begleite, dann bauen diese eine der wichtigsten Kompetenzen in der Informationsgesellschaft auf: Lernkompetenz. Darunter verstehe ich das eigene Lernen zu reflektieren und seinen Lernprozess eigenverantwortlich und selbstgesteuert in Angriff zu nehmen und zu überwachen (das ist doch auch Learning Analytics?). Eine Kompetenz also, welche zu den Grund-Kompetenzen der «Studierfähigkeit» gehört. Lernende, welche eine hohe Lernkompetenz besitzen, benötigen meiner Meinung nach keine Learning Analytics Systeme. Sie können sich beim Lernen beobachten, einschätzen und Massnahmen ergreifen. Sie können auch andere durch Feedback und Kooperation beim Lernen unterstützen. Das Ergebnis ist Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen in sich und das eigene Lernen.
    Und wenn ich das dann nicht kann? Brauche ich dann eine Software, welche mir aufzeigt was ich noch nicht kann und welche Massnahmen ich ergreifen muss, damit ich das Modul bestehe? Ist das dann die Vorstellung eines «mündigen Lerners»? Oder gibt mir das System den Weg zum «Learning to the test» vor?
    Besteh nicht die Gefahr, dass Lernende sich dann auf ein solches System verlassen und ihre Lernkompetenz vernachlässigen? Nicht was mich interessiert, was ich nötig habe lerne ich sondern das, was das System mir voraussagt, dass ich zu lernen habe? Der Abschlusstest ist wichtig, nicht der Lernweg?
    Ich bin hier skeptisch im Sinne einer Symptombehandlung. Lernende mit Lernkompetenz können ihr Lernen selber überwachen und sind dabei erst noch effizienter als jedes System (sie bekämpfen die Ursache). Ich möchte Kompetenzen (mit)entwickeln und keine Analysesysteme.
    Vielleicht überschätze ich auch die Möglichkeiten der Lernenden und ein Support durch ein solches System kann hilfreich im Sinne eines Feedbacks sein. Vorerst bleibe ich aber dabei, dass ich mit meinen Lernenden den Lernprozess und die damit verbundenen Stärken und Schwächen noch bilateral bespreche. Dazu benötige ich den lernenden Menschen und kein System.

  4. Pingback: Nächste Runde #opco12: 4. – 15. Juni 2012: Learning Analytics |

  5. Pingback: Online-Event „Learning Analytics“ des Open Course 2012 | Wilhelm Adt – Bildungsmanager bei wisoak professional

  6. Pingback: edaktik – E-Learning, Soziale Medien und Bildungspolitik » OpenCourse 2012: Learning Analytics

  7. Pingback: Learning Analytics: Dream, Nightmare, or Fairydust? | weiterbildungsblog

  8. Pingback: Die vierte Themeneinheit des OpenCourse 2012 | OPCO 2012

  9. Pingback: Bekenntnisse einer passiven Teilnehmerin bzw. befähigten Zuhörerin | #ocwl11

  10. “Digital Big Brother”, Coaching, Qualitätsmanagement – mit diesen drei Schlagwörtern lassen sich die Gefahren, aber auch die Ziele und Chancen von Learning Analytics umschreiben.

    Durch den Hinweis auf das Erheben von Daten wie z.B. Nutzungsdauer, Anwesenheit/Häufigkeit, Beteiligungsgrand und Ergebnisse der Lerner in Relation zur Nutzung der E-Kurse drängen sich unwillkürlich Gedanken an Überwachungsstrukturen à la Orwell auf. Angesichts von Datenschutz wäre zu klären: Welche Daten müssen wirklich erhoben werden? Wie werden diese Daten verwaltet, geschützt, wer hat Zugriff darauf? Wie lange werden sie archiviert? Ist eine anonymisierte Erhebung in Anbetracht der weiteren grundsätzlichen Ziele überhaupt wünschenswert?

    Andererseits sollen aus gerade diesen Daten Erkenntnisse für künftige Lernarrangements durch die Bildungsinstitution bzw. den – u.U. auch kommerziellen – Anbieter sowie für die neu- bzw. andersartige Organisation des Lerners gewonnen werden.

    Damit reihen sich LA in Konzepte des Qualitätsmanagements mit Selbst- und Fremdevaluation ein, die inzwischen in den Schulen Einzug gehalten haben. Letzten Endes wird hiermit für digitale Lernszenarien ein Tool in Aussicht gestellt, das den Lehr- und Lernprozess auf der Metaebene ins Visier nimmt. Vorausgesetzt die Beteiligten machen sich in ihrem Arbeitsprozess Reflexion als grundsätzliche Haltung bzw. Themeninhalt eines jeden Lern- und Entwicklungsprozesses zu Eigen. Ist dies der Fall, können LA durch ihre zukunftsorientierte Zielsetzung als Bereicherung für eine gezielte Weiterentwicklung von persönlichem Arbeitsstil, von zur Verfügung gestellten Arbeitsmedien und Lernarrangements fungieren – eine Chance, die es sicher wert macht, sich mit den Gefahren im Bereich des Datenschutzes problemlösend auseinanderzusetzen.

    So bleibt zum Schluss für Schulen die Frage nach der Realisierbarkeit: Wer stellt das Know-how für LA zur Verfügung? Welche Trainings brauchen Lehrer von heute für das Lehren von morgen? Welche Kosten sind zu erwarten? Wer übernimmt diese? Wie können kritische Stimmen (z.B. aus den Elternhäusern) überzeugt werden?

  11. Monika Weigand sagt:

    Der Begriff des Learning Analytics war mir nur vom Hörensagen bekannt, bis ich mir eben die Aufzeichnung der Live-Session angehört habe. Nachdem ich nun zumindest eine vage Vorstellung davon habe, was Learning Analytics sein kann und vielleicht sein wird, bin ich ziemlich hin- und hergerissen. Da ich einen großen Teil meiner Zeit mit der Contenterstellung verbringe, fallen mir gleich tausend Möglichkeiten ein, wie die geschilderten Auswertungen bei der Erstellung neuer Contents helfen können, Zeit sparen und die Arbeit erleichtern können. Ich wage gar nicht mir vorzustellen, wie viele Testläufe, Korrekturen und Optimierungsarbeiten man sich sparen könnte, wenn man aussagekräftige Auswertungen von Lernerverhalten und Lernerergebnissen zur Verfügung hätten. Schöne neue Welt für alle Autoren?

    Allerdings holt mich der Gedanke an die tägliche Praxis recht schnell in die Wirklichkeit zurück – tausend Fragen drängen sich auf: Können und dürfen wir denn all diese Daten erfassen? Was sagen die Lerner dazu? Und – schlimmer noch – was sagt der Betriebrat? Wie viel Aufwand bereitet die Auswertung? Wo kommen die dafür nötigen zusätzlichen Ressourcen her? Gibt es eine passende Software dafür?

    Auch wenn meine Meinungsbildung zum Thema Learning Analytics gerade noch heftig rumort, eines ist sicher: Ich werde die Entwicklung sehr aufmerksam verfolgen und bin gespannt, wie der Trend sich in den nächsten Jahren entwickelt.

  12. Pingback: Open Course 2012: Learning Analytics (Live-Event v. 5.6.2012) « PetiteProf79

  13. Pingback: „Learning Analytics“ im OpCo 2012 | LeMo – Lernprozessmonitoring

  14. Pingback: Bildungswissenschaften2.0: Theorie und Praxis - Lurking participants

Hinterlassen Sie eine Antwort